Syrien/Russland: Syrien-Reise von katholisch-orthodoxer Delegation ist eine „konkrete Reaktion auf Treffen zwischen Papst und Moskauer Patriarchen“

Königstein im Taunus 13.04.2016 – Als eine „konkrete Reaktion“ auf die gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus und dem Russisch-Orthodoxen Patriarchen Kirill bezeichnet Peter Humeniuk, Russland-Experte von „Kirche in Not“, die gemeinsame Reise einer orthodox-katholischen Delegation in den Libanon und nach Syrien. In der vergangenen Woche waren der Vorsitzende der russischen katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Paolo Pezzi, Erzpriester Stefan (Igumnov), der Sekretär für den Innerchristlichen Dialog des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, der Nahost-Experte von „Kirche in Not“, Pater Dr. Andrzej Halemba, sowie Humeniuk selbst dort mit den Vertretern der verschiedenen christlichen Konfessionen zusammengetroffen, um „ein Zeichen der Solidarität“ zu setzen und „die Möglichkeiten gemeinsamer Hilfsmaßnahmen auszuloten“, so Humeniuk.

Über den Anlass der Reise sagt Humeniuk: „Papst Franziskus und Patriarch Kirill haben in ihrer Erklärung mit vereinter Stimme die Christenverfolgung und die dramatische Lage der Christen im Nahen Osten angeprangert. Dies war einer der Gründe für ihr historisches Treffen im Februar diesen Jahres. Die Katholische und die Russisch-orthodoxe Kirche in Russland sind der Botschaft ihrer Oberhäupter gefolgt und haben Schritte in die Wege geleitet, um gemeinsam auf das Leid der Christen im Nahen Osten zu reagieren.“

Im Nahen Osten sei das Treffen zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau „sehr positiv“ und „mit großer Aufmerksamkeit“ aufgenommen worden“. Die Begegnung der beiden Kirchenoberhäupter sei im Nahen Osten als „starkes Signal verstanden worden, dass die christlichen Konfessionen mit einer Stimme sprechen und der Situation von Leid, Krieg und Verfolgung begegnen müssen.“ Konkrete Felder der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen im Nahen Osten, die während der Reise beschlossen wurden, sind die Dokumentation der durch den Krieg zerstörten heiligen Stätten in Syrien, um die Schäden zu erfassen, sowie das Sammeln von Zeugnissen über das Martyrium syrischer Christen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Außerdem werde eine gemeinsame Aktion zugunsten von Kindern ins Auge gefasst. Die Reise der katholisch-orthodoxen Delegation sei ein erster Schritt gewesen, dem „weitere folgen sollen“.

Humeniuk betont: „Wir haben während der Reise immer wieder gehört, dass es für viele Christen im Nahen Osten am wichtigsten ist, dass ihre Bischöfe bei ihnen bleiben und dass ihnen die Wiederherstellung der zerstörten kirchlichen Räume, in denen das Leben der Gemeinden stattfindet, mehr am Herzen liegt als der Wiederaufbau der eigenen Wohnhäuser. Die Herde will sich um ihren Hirten versammeln. Das hat mich sehr beeindruckt. Es ist klar, dass zum Wiederaufbau der Gebäude so viele Mittel notwendig sind, dass sie kurzfristig nicht aufzubringen sein werden, aber es wird bereits über die Zukunft nachgedacht.“

„Kirche in Not“ hatte die Reise organisiert, da das internationale katholische Hilfswerk stark im Nahen Osten aktiv ist und sich zugleich seit 25 Jahren für den Dialog zwischen Katholischer und Russisch-Orthodoxer Kirche einsetzt.

Außer Beirut und Damaskus besuchte die Delegation die Bekaa-Ebene an der syrisch-libanesischen Grenze, wo zahlreiche syrische Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben. Einige Flüchtlingsfamilien in Zahle schilderten der Delegation ihre Schicksale. Unter den Kirchenvertretern, mit denen sich die Delegation traf, waren im Libanon der Maronitische Patriarch Béchara Rai und der Apostolische Nuntius, Erzbischof Gabriele Caccia. In Syrien traf die Delegation jeweils einen Vertreter des griechisch-orthodoxen Patriarchates von Antiochien und des melkitischen griechisch-katholischen Patriarchates von Antiochien und dem ganzen Orient, da die beiden Patriarchen zur Zeit auf Reisen waren. Zudem begegneten sie dem syrisch-orthodoxe Patriarchen Ignatius Afrem (Ephraim) II. von Antiochien und dem Ganzen Osten, dem Apostolischen Nuntius in Syrien, Erzbischof Mario Zenari, sowie zahlreichen weiteren Bischöfen.