Jugend-Sportzentrum Al-Yarmouk: Mit Sport den Glauben und die Hoffnung in Aleppo stärken

Päpstliche Stiftung Aid to the Church in Need (ACN) fördert ein Projekt zum Wiederaufbau einer Mehrzweckhalle der armenischen Christen

Josué Villalón, ACN, Aleppo.- „Über die Viertel im Osten Aleppos wurde in den Medien nicht so viel berichtet wie über andere Viertel, doch die Menschen haben hier ebenfalls sehr unter dem Krieg gelitten“, meint Kevork Mavian, ein armenischer Geschäftsmann aus Aleppo. Wir treffen ihn in Al-Azizieh, einem vorwiegend von Christen bewohnten Viertel, nahe der Altstadt von Aleppo. Die Christen in Aleppo haben besonders unter dem Krieg gelitten und leiden noch heute unter den Folgen. Gewalt, Hoffnungslosigkeit und die Verfolgung durch dschihadistische Gruppen haben ihre Zahl von etwa 150 000 auf heute knapp 35 000 sinken lassen.

Mehr als vier Jahre Gewalt und Gefechte haben ihre Spuren hinterlassen. Der Asphalt und das Pflaster der Straßen in der nordsyrischen Stadt sind mit Bombenkratern und anderen Narben des Krieges übersät. Vor dem Krieg war Aleppo die größte Stadt in Syrien und die industrielle Hauptstadt des Landes.

 

Bei unserer Ankunft am Jugend-Sportzentrum Al-Yarmouk in Al-Azizieh sehen wir die Spuren der Verwüstung noch deutlicher. Auf dem Basketball- und Fußballfeld liegen verbogene Stahlträger verstreut und das Dach der Sporthalle fehlt. „Eine Bombe hat die Halle unbrauchbar gemacht. Den Schutt mussten wir wegräumen. Jetzt versuchen wir, die Mauern wieder aufzubauen, damit wir anschließend das Dach ersetzen können“, sagt Kevork Mavian, der das Sportzentrum leitet. Das internationale pastorale Hilfswerk, die päpstliche Stiftung Aid to the Church in Need (ACN), hat 30 000 Euro für das Projekt bereitgestellt, damit die Arbeiten schnellstmöglich beginnen können.

Namensgeber des Sportzentrums ist der Al-Yarmouk SC, ein syrischer Sportverein für verschiedene Sportarten wie Basketball, Fußball und Leichtathletik. Der Verein wurde von Armeniern gegründet, die den ethnisch und religiös motivierten Völkermord der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reichs 1919 überlebt und in Aleppo eine neue Heimat gefunden hatten. Die Vereinsgründung war eine erfolgreiche soziale Initiative und ein Glaubenszeugnis der armenischen Gemeinde.

Das Sportzentrum ist seitdem nicht nur eine wichtige Anlaufstelle für armenische Christen, sondern auch für Christen anderer Riten. Es ist für sie mehr oder weniger der einzige soziale Treffpunkt in der Stadt und daher auch für die Kinder und Jugendlichen besonders wichtig. Dort können sie das Trauma des Krieges für einige Momente hinter sich lassen. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen, doch immerhin konnte der Boden freigeräumt und neue Basketballkörbe aufgehängt werden. Die Jugendlichen des Viertels ließen nicht lange auf sich warten und nutzen das Zentrum wieder. Es ist für sie die beste Therapie gegen die Leere und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der letzten Jahre. Auch für die Eltern ist es eine große Erleichterung zu wissen, dass ihre Kinder in guten Händen sind, in einer von christlichen und menschlichen Werten geprägten Umgebung.

Vor dem Krieg spielten hier etwa 800 Jungen und Mädchen Hallenfußball, Basketball und nahmen an anderen Aktivitäten für Jugendliche teil, beispielsweise in Pfadfindergruppen. Für Kevork Mavian, den Leiter des Sportzentrums, ist die Unterstützung von ACN bei der Wiedereröffnung des Zentrums sehr wichtig. „Es gibt uns eine große Freude und neue Hoffnung, in vollkommener Sicherheit wieder diese sportlichen Aktivitäten aufnehmen zu können. Es stärkt uns auch in unserem Glauben. Die Armenier waren das erste Volk, das sich offiziell zum Christentum bekannte, noch vor dem Römischen Reich. Der christliche Glaube ist Teil unserer Identität“, erklärt er uns. Zum Sportzentrum gehört auch ein Saal, in dem christliche Familien Geburtstage, Taufen, Erstkommunionen und Hochzeiten feiern können.

Der Wiederaufbau des Zentrums Al-Yarmouk trägt dazu bei, etwas von der Geschichte der christlichen Prägung des Landes zu bewahren. Der Al-Yarmouk SC wurde 1925 gegründet und ist der zweitälteste Sportverein des Landes. Der Fußballverein spielt in Syrien zurzeit in der zweiten Liga, doch in der Vergangenheit errang er zahlreiche Titel und Meistertitel. Vor dem Zweiten Weltkrieg trug er den Vereinsnamen Homenetmen Aleppo, was so viel bedeutet wie „Erhebe dich und erhebe andere“. Dieser Name wurde weltweit von vielen armenischen Diasporaorganisationen in Sport und Pfadfinderei aufgegriffen.

Der Wiederaufbau dieses Zentrums gibt vielen christlichen Familien hier neuen Mut und die Hoffnung, dass es für sie in Syrien eine Zukunft gibt. „Dieses Projekt schenkt uns eine neue Lebensperspektive, vor allem den jungen Menschen in diesem Viertel, in dem die Mehrheit der armenischen Minderheit lebt. Es hilft denen, die aufgrund der Kriegsjahre psychische Probleme haben und traumatisiert sind, und es hilft den Familien, ein normaleres Leben zu führen und sich so vielleicht zu entscheiden, in Syrien zu bleiben“, erzählt Kevork Mavian. Zum Schluss bedankt er sich für die Hilfe von ACN: „Ich möchte Ihnen danken für alles, was Sie für uns tun, vor allem für unsere Jugendlichen, die so sehr unter dem Krieg gelitten haben. Sie haben uns etwas Hoffnung gegeben und bleiben für unsere Volksgruppe hier in Aleppo ein Hoffnungsschimmer.“