SYRIA – CATHEDRAL OUR LADY OF PEACE , HOMS. by Maria Lozano

Youssef Absi, Melkitischer Griechisch-Katholischer Patriarch:
“Der Wiederaufbau dieser Kathedrale ist ein
Zeichen, dass wir Verzweiflung und Tod überwunden haben”

Die Christen von Homs feiern das erste Weihnachtsfest in der Kathedrale Unsere Liebe Frau vom Frieden. In der Stadt Homs ist der Friede noch nicht stabil. Am Dienstag explodierte eine Bombe in einem Bus. Drei Menschen kamen ums Leben, acht weitere wurden verletzt.

Am Freitag, den 1. Dezember fand die Altarweihe in der Kathedrale Unsere Liebe Frau vom Frieden statt. Sie war ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Normalität in Homs. Die Stadt war drei Jahre lang, von 2011 bis 2014, der Mittelpunkt des Krieges in Syrien. Die unzähligen Bombenangriffe und Kriegshandlungen hinterließen eine völlig zerstörte Stadt.

Auf den endlosen Todeskampf der Einwohner von Homs bezog sich der Melkitische Griechisch-Katholische Patriarch Youssef (Joseph) Absi in seiner Predigt bei der Altarweihe: „Viele Menschen sind als Märtyrer gestorben. Eure Häuser wurden zerstört. Ihr musstet flüchten, habt Euer Hab und Gut verloren und Euer ganzes Geld. Aber Ihr habt nicht zugelassen, dass diese Schicksalsschläge Euch überwältigten und Euren Geist beugten. Mit Eurer Gegenwart bringt Ihr hier und heute Leben in diese Kathedrale zurück.“

Die Melkitische Griechisch-Katholische Kathedrale war die am schwersten beschädigte Kirche in Homs. Die Kathedrale sowie die gesamten bistumseigenen Grundstücke befanden sich bis zum 9. Mail 2014 in der Hand der Rebellen. Die Raketengeschosse hatten die Kathedrale und deren Dach beschädigt. Die Ikonen wurden geraubt oder entstellt. Die Marmorsäulen waren zertrümmert, weitere Gegenstände in Brand gesetzt worden. In der Krypta wurden die Gräber der Priester entweiht. „Zwei Tage nach der Befreiung von Homs gab es eine ungeheure Explosion in der Kathedrale, die zehnmal größere Schäden verursachte. Das Dach, die Kuppel und zwei ganze Wände brachen zusammen. Die Rebellen hatten unter der Kathedra (Bischofssitz) Sprengstoff versteckt“, erzählt der griechisch-katholische Erzbischof Jean-Abdo Arbach im Gespräch mit dem Päpstlichen Hilfswerk Aid to the Church in Need (ACN).

Die Hölle ist vorbei, aber der Friede in Homs ist immer noch nicht stabil: Am Dienstag, den 5. Dezember, tötete eine Bombe in einem Bus sechs Menschen. Acht weitere wurden verletzt. Erzbischof Arbach erklärt dazu, „die Menschen sind daran gewöhnt zu leiden. Deshalb geht es trotz aller Schwierigkeiten weiter. Natürlich haben sie Angst. Deswegen denken einige darüber nach, das Land zu verlassen. Aber die Lage außerhalb ist auch nicht einfach. Viele kehren deshalb zurück. Sie haben angefangen, ihre Häuser wiederaufzubauen. Die Regierung hat für die Stromversorgung und für die Säuberung der Straßen gesorgt …“ Der Friede ist nicht stabil. Allerdings ist die Lage nicht mehr wie früher voller Gewalt und Zerstörung. Der syrische Erzbischof fügt hinzu: „Die meisten Menschen möchten in ihre Häuser zurückkehren.“ Um mit gutem Beispiel voranzugehen, gehört der Erzbischof zu den ersten, die zurückgekehrt sind. Er arbeitet von seinem Sitz aus, was den Gläubigen Sicherheit und Vertrauen gibt. Auch sie kehren nach und nach zurück.

In diesem Zusammenhang betonte Seine Seligkeit Youssef (Joseph) in seiner Predigt, dass die Altarweihe in der Kathedrale ein sehr wichtiges Zeichen sei: „Die Kirchen wiederaufzubauen und sie zu renovieren, hat keinen Sinn, wenn Ihr nicht in sie zurückkehrt und ohne dass die Menschen wieder aufgerichtet werden. Heute feiern wir nicht nur den Wiederaufbau dieser Kirche. Wir feiern auch den Willen, hier zu bleiben, auf unserem Grund und Boden, in unserem Land. Der Wiederaufbau der Kathedrale symbolisiert die Hoffnung in unseren Herzen. Es ist das Zeichen, dass wir die Verzweiflung und den Tod überwunden haben.“

An der Feier der Altarweihe nahmen mehr als tausend Gläubige sowie Vertreter verschiedener christlicher Konfessionen und der muslimischen Gemeinde teil. Der melkitische Patriarch unterstrich die Bedeutung der Hoffnung. Er berief sich insbesondere auf das Tagesevangelium, auf das Gleichnis des Guten Hirten: „Die Schlussfolgerung der Worte Jesu ist, dass er uns weder dem Bösen noch dem Tod überlässt, den Vertretern des Wolfs in all seinen Formen. Vielmehr verteidigt er uns, beschützt er uns, selbst unter Einsatz seines Lebens. Es mag für uns schwer zu verstehen sein in einem Meer aus Widrigkeiten, die uns bedrängt haben und uns weiterhin zusetzen. Aber Jesus besteht darauf, dass wir die Hoffnung nicht aufgeben. Es wird von uns erwartet, dass wir vertrauen, dass wir keine Angst haben.“

Die Altarweihe war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Wiederaufbau, nicht jedoch der Schlusspunkt. Es ist noch viel zu tun, so Erzbischof Jean Abdo: „Die Rebellen haben die an den Wänden hängenden Ikonen zerschossen. Wir müssen sie noch restaurieren. Wir haben außerdem keine Kirchenbänke. Die Ikonostase ist ebenfalls wieder zu errichten. Darüber hinaus müssen die Außenwände gestrichen werden.“ Zuversichtlich fügt er hinzu: „Weil aber das Hauptschiff fertiggestellt wurde, können wir dieses Jahr erstmals Weihnachten in der Kathedrale feiern. Wir werden sogar am 16. Dezember mit katholischen, orthodoxen, protestantischen und muslimischen Chören ein Weihnachtskonzert veranstalten.“

Der griechisch-katholische Erzbischof betonte seine Dankbarkeit gegenüber den ACN-Wohltätern für die große Unterstützung, die sie in den letzten Jahren dem Bistum Homs geleistet haben. Seit Kriegsbeginn hat das Päpstliche Hilfswerk dort 37 Projekte unterstützt, darunter den Wiederaufbau der Kathedrale. „An erster Stelle danke ich Gott, der uns die Kraft verleiht, unsere Arbeit fortzuführen. Zweitens habe ich Unserer Lieben Frau vom Frieden dafür zu danken, dass sie uns vor so vielen Gefahren bewahrt hat. Zuletzt möchte ich aber ACN auf der ganzen Welt danken. Dank Ihrer Hilfe haben wir Menschen unsere Gemeinde und auch unser Land wiederaufbauen können. Denn Syrien ist ein Land mit einer zutiefst christlichen Kultur. Wir haben Kirchen und Heilige aus den ersten Zeiten des Christentums. Wenigstens acht Päpste sind Syrer. Wir beten jeden Tag für die ACN-Wohltäter. Gott segne jeden Einzelnen von Ihnen, und möge es Ihnen – wie es im Evangelium heißt – hundertfach vergelten. Nun, da wir bald das Weihnachtsfest feiern werden, bitte ich das Christkind darum, dass er unseren Familien und unserem Land, aber auch allen Unterstützern den Frieden bringt. Gott segne Sie, die Mutter Gottes möge sie beschützen!“